Der Dichter C. F. Meyer als Gegenstand
einer psychologischen Literaturstudie

 


Kann man ins Innere einer Persönlichkeit leuchten? Scheinbar unangreifbar hüllt der Dichter Conrad Ferdinand Meyer sein Inneres in die Mantelflächen seiner edlen Kunst. Ist er in seinen Gestalten zurückliegender Jahrhunderte "lesbar"? Er ist es. Und er will lesbar sein. Er entführt in vergangene Zeiten und meint Jetzt. Klauspeter Bungert nähert sich dem Denken und der Persönlichkeit des großen Lyrikers und Meisters der historischen Novelle in elf faßlich geschriebenen Abschnitten, die sich wie konzentrische Kreise von der Peripherie auf die Mitte zubewegen. Er räumt mit Vorurteilen auf und zeigt, welch unverstaubter, heller Geist und anrührender Mensch der Zeitgenosse Dostojewskis, Fontanes und Gottfried Kellers war. Die neuerliche Begegnung mit einem Autor, den mancher Leser nur als Schullektüre kennt, wird zur Entdeckungsreise. Neben Einblicken in die "Strategien" eines aufregenden Dichters und einer ebenso fesselnden wie schwierigen Persönlichkeit gibt das Buch fast beiläufig Anregungen zum "Handwerk" des Dichtens und Denkens überhaupt - nach Betsy Meyers Einnerungsbuch zum Gedenken an ihren Bruder wieder ein engagierter Versuch, den Dichter den (bloßen) "Literaturverwaltern" aus den Händen zu nehmen.


ISBN 3-00-004447-7, 159 Seiten, Berlin 1994

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Dieser in traditionskritische, philosophische, strukturanalytische und biographische Abschnitte untergliederte Essay rückt Conrad Ferdinand Meyer vom Image des weltabgewandten Ästheten und Vertreters veralteter Formen (historische Novelle; Rahmennovelle) weg. Er weist nach, daß strukturelle Konzeption und äußerer Erzählstrom bei Meyer einander in differenzierter, widerspruchsvoller und neuartiger Weise relativieren. Ein in der Tat "objektiv" anmutender Einblick in die Beschaffenheit menschlicher Wahrnehmung gelingt. Neben der ästhetisch-metaästhetischen Originalität liegt ein Schwerpunkt des Meyerschen Schaffens im Beitrag zur Debatte um den Radius menschlicher Willensfreiheit und zur aktuellen Erospsychologie. Eine Sonderuntersuchung gilt dem Zusammenhang des Gedichtwerks untereinander und benennt sich daraus ergebende Auswirkungen auf die Interpretation.

Pressestimmen

Dichter und Denker des Widerspruchs Klaus Peter Bungerts Studie über den Schriftsteller Conrad Ferdinand Meyer Literatur als Rückpolung auf Lebensprozesse ihres Autors - das ist das Thema von Bungerts Untersuchung, mit der eine ungewohnte und überraschend neue Sicht auf das Werk [...] erzielt wird. Dabei entpuppt sich Meyer in herausragender Weise als Dichter und Denker des Widerspruchs. Widersprüchlichkeit [...] kennzeichnet vor allem die schillernde Palette der Figurenzeichnung in seinen Erzählungen und im Roman des Jürg Jenatsch. [...] Bungerts Untersuchung, in der die geschichtlichen Inhalte der Erzählwerke des Schweizers Rohstoffe für eine psychologische Auseinandersetzung mit Persönlichkeitsstrukturen aus der Sicht des 19. Jahrhunderts werden, setzt zwar eine Kenntnis der Dichtungen voraus, bietet aber auch abseits davon einen bisher wenig wahrgenommenen Einblick in die Seelenlage eines Autors, der gleichsam aus geschichtlicher Entrücktheit wieder ans Tageslicht hervorgeholt erscheint. von WOLFGANG STAUCH-v. QUITZOW -- Trierischer Volkfreund 04.06.1996 und Rheinische Post, 31.8.1996

Studie Conrad F. Meyer [...] Sprachlich eher leger, farbig-lebendig und nicht im Stil staubtrockener Doktorarbeiten verfaßt, verdichtet sich das Buch sogar noch gegen Ende, so daß es als ganzes gelesen werden will. Bungert, in dem sich psychologischer Spürsinn und Darstellergabe vereinen, dringt dabei in ungeahnte Seelentiefen des Dichters, berührt heikle Gebiete aus dem erotischen Bereich, die vielleicht dem einen oder anderen zu weit gehen, aber in einem authentischen Meyer-Porträt nicht fehlen dürfen. Zahlreiche Novellen nämlich, deren vermeintlicher Mangel an psychologischer Stringenz von der traditionellen Meyer-Forschung bisher gerügt worden ist, offenbaren ihre Vielschichtigkeit erst vor diesem Hintergrund. Neben genauer ausgeführten Hauptthemen streut er immer wieder, fast beiläufig, interessante Aspekte ein, die wahrscheinlich erst im Rahmen von vielen wissenschaftlichen Einzelstudien verifiziert werden können. Dafür ist es dem Autor möglich, ein umfassendes Bild von Meyer zu schaffen; [...] Dr. phil Ina Braeuer-Ewers -- Badische Neueste Nachrichten, 22.04.1996 und Neues Trierisches Jahrbuch 1997

H i n w e i s :

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