Klauspeter Bungert

:: Meine Theaterstücke

 

Verzeichnis meiner Theaterstücke

Aufführungsrechte:

Cantus Theaterverlag

 

Buchausgabe Dramen in vier Bänden, Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2015:

Dramen 1

Dramen 2

Dramen 3

Dramen 4

 

Überblicksartikel über die Buchausgabe bis zum Redaktionsschluß bei:

16vor

 

Einzelartikel:

zu Band 2 (01)

zu Band 3 (01)

 

 

 

Buchausgabe Dramen 1:

 

 

DIE IRRENDEN (1977/96; modifiziert 2013)

Ein abgetakelter Kritiker. Keiner hilft ihm. Er übernachtet ein paarmal in einer Brandruine. Dort gibt es eine skurrile Begegnung mit einer alleinstehenden Dozentin, die in einem Chor singt. Er sucht seine Schwester auf, mit der er sich vor langem überworfen hat. Sie, eine mittelklassige Schauspielerin, zeigt sich wenig erfreut über sein Obdachersuchen. Als Rezitatorin seiner Jugendgedichte vor seiner Urne bekommt sie einen hysterischen Anfall.

 

KLEIST – EIN TRAUMSPIEL (1975/94)

Die Biographie Heinrich von Kleists bietet die Folie für ein labyrinthisches Drama um die Suche nach einem festen Standort im Leben.

Oft simultan durchdringen einander traum- und albtraumartige Sequenzen mit ironischen Szenen, die die kritische Reaktion auf den gesellschaftlichen Drückeberger, den abtrünnigen Sprossen einer alten Offiziersfamilie und künstlerischen Unruhestifter verständlich machen. An jeder Wegkreuzung bricht dem jungen Mann der Boden weg. Er wird am Ende in den Freitod mehr gelockt als getrieben – von einer Ehefrau und Mutter mehrerer Kinder und der Gelegenheit zu einer ultimativen guten Tat.
 

HARTWIG. Ein symbolisches Trauerspiel in drei Akten (1976/95; modifiziert 2013)

Alleinstehende Mutter definiert ihr Leben als Opfer und verlangt vom erwachsenen Sohn, sein Leben ebenso in den Dienst einer, wie sie glaubt, überragenden Begabung zu stellen. Sohn opponiert, ohne mit seinem Protest eine Wendung zum Besseren zu erreichen. Auch ein Arzt, der eine ungeklärte Rolle spielt, kann die Tragödie nicht verhindern.
 

EINKEHRTAGE. Eine Komödie (1987/95)

Im Hinblick auf eine neue Linke einerseits, Jugendliche andererseits, die Studien zufolge das Religiöse für sich neu entdecken, wird die Zeit allmählich wieder reif für eine Auseinandersetzung mit schwarzen und roten Heilslehren, mit Aufklärung und Alleswisserei. Der nach dem berühmten Philosophen Kant benannte Klostertourist bringt es auf den neuralgischen Punkt: „Ich glaube, daß es schließlich auch in Europa wieder so etwas geben wird wie eine abendländische Kultur.“

Das Streben nach Ausgleich endet oft mit nachfolgend desto ungehemmter ausbrechenden Konflikten und allseitiger Beschämung. Parallelen mit den kleinen und großen Krisenherden dieser Erde bestehen unzufällig und erwünscht.
 

DIE SCHMEIßFLIEGEN. Eine antike Komödie (1972/96)

Nichtsnutz, eine von Zweifeln angekratzte Denkernatur, wird mit einer Bande erklärter Bluffer konfrontiert, die in einer schütteldurchreimten Vernissage das Zeitalter der Dichter und Denker begraben. Die Drahtzieher nehmen mit der priesterlichen Choreographie ihrer Amtshandlungen und der heiligen Zwölfzahl ihrer ausgestellten Zerfallsprodukte eine angestammte Tradition aufs Korn, erwarten aber denselben kultischen Respekt. Schelm, wer Übles dabei denkt!

 

DAS BILD, DAS SPIEL, DIE STIMME. Eine Trilogie

thematisiert das wechselvolle Verlangen von Menschen nach Geborgenheit. Im ersten Kurzdrama, MATHILDES ZWEISAMKEIT (1976/96), trifft die Einsamkeit einer liebebedürftigen Witwe auf die zwischen Sympathie, Ablehnung, Spiel und Berechnung schwankende Haltung eines Mittzwanzigers. Nach Jahren im Ausland klopft er unangemeldet wieder an, sie erleidet einen Anfall und stirbt vor Zorn oder vor Glück, was wir nie erfahren werden.

Die Doppelszene EINE HÜTTE ZU VIEREN (1978/96) gibt Momente im Leben zweier problematischer und zweier eher ausgleichender Menschen wieder. Ausgelöst durch einen Scherz, brechen Verwerfungen und Verstörungen in der Gruppe auf.

Der Einakter NACH DEM STÜCK (1978/96) versammelt eine kleine Gesellschaft nach einer Theatervorstellung. Über dem Gespräch über Inhalte des gesehenen Theaterstücks und die Leistungen der Darsteller gehen eine Ehe, eine Affäre und eine Freundschaft in die Brüche.

 

DIE LAUSIGKEIT DER LIEBE, DES LASTERS UND DER LUST. Semikomödie um einen Politikverdrossenen. In zwei Akten (1993/97; modifiziert 2015)

entwirft anhand von Ereignissen zweier Lebensperioden, die mehr als 20 Jahre auseinanderliegen, ein Charakterbild des österreichischen Dramatikers Franz Grillparzer. Widersprüchlich wie seine Einstellung in Partnerschaftsangelegenheiten bleibt sein Verhältnis zum Staat, wiewohl er manche Frau leidenschaftlich begehrt und im Staatsdienst einen sicheren Posten erlangt.

 

NORA 1996 (1982/97; revidiert 2008)

Drama um Beziehungen, Egoismen und Befreiungen. Der Titel erklärt sich als Anklang an Ibsens berühmtes Gesellschaftsstück. Die Frau 1996 ist so emanzipiert, daß sie im Rollenspiel der Frau–Mann–Konzeption durchaus die Position des Mannes übernehmen kann und dies absichtsvoll, bis in sexuelle Maskeraden hinein, tut.

 

DER FALTER IM SPINNENNETZ. Eine zweitausendjährige Komödie. Göttlich (1997)

Erster Abend: Himmel / Zweiter Abend: Fegfeuer. Erde

Was wäre, wenn der geschichtliche Jesus, in einer Art Dantescher Wanderung durch die Welten, erleben müßte, was die Menschen aus ihm machten? Er wäre verzweifelt. Mit Mitteln der Satire und Sympathie für die unbefangen aus den Quellen herausfiltrierte Gestalt wird der von Verehrerinnen und Verehrern, Bittstellerinnen und Bittstellern verfolgte Mann aus Nazareth gegen die Legenden ausgespielt, die ihn ersticken. Das ist auch nicht historisch, aber näher kommen wir ihm nicht.

 

 

Buchausgabe Dramen 2:

 

AUF DEM CANAL GRANDE (1989/90; modifiziert 2013)

nach dem Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer, ist eine im Detail frei gestaltete Familien–Tragikomödie, die historische und erfundene Gestalten zu einem Lebensbild des alten, zeitweise in der Nervenheilanstalt Königsfelden untergebrachten Dichters zusammenfügt. Authentische Charaktere und ein Sinnbild des Lebens im Spiegel von Alter und unterschiedlichen Rivalitäten.
 

DIE STUNDE DES PILATUS (1981/98; revidiert 2008 und 2013)

Polen 1980, Deutschland heute, Palästina um das Jahr 30, die DDR mit ihren Grenzanlagen und Reisebeschränkungen kristallisieren zu einem fiktiven Staat Utopia, in dem seit langem ein nachdemokratischer Ausnahmezustand herrscht mit einem Diktator an der Spitze. Dieser heißt Pilatus und inszeniert das Gezänk seiner Untertanen wie ein Spiel auf dem Theater. Politik entsteht als Form des dichterischen Gebrauchs von Realität, als Ausdruck der Fantasieeigenschaften im Menschen. Fantastisch ist auch die Marotte, an der Pilatus leidet. Sie bildet die heimliche Quelle seiner Unruhe und seines Strebens nach Macht.

Auf einer weiteren Ebene zeichnet das Stück Schwerpunkte der Vita Jesu nach und verknüpft sie mit einem modernen politischen Kontext. Die Anspielungen erhöhen den Reiz, sind für ein Verständnis aber nicht unabdingbar. Unabdingbar sind dagegen starke Nerven in Anbetracht einiger gewagter Szenen.

 

AM RANDE (1983/98; rev. 2008)

spielt während einer Nacht und beleuchtet den gegensätzlichen Werdegang zweier ehemaliger Klassenkameraden und eines ihrer Lehrer. Auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem Erfolg gehen sie mit Problemen ihres Selbstwertgefühls und ihren Beziehungssehnsüchten um. Einer kam auf die schiefe Bahn, der andere beginnt eine politische Karriere, überwindet aber nur zaghaft seine Verklemmung. Der Lehrer verstrickt sich in peinliche Affären, die er vor seiner gelähmt zu Hause sitzenden Frau verbirgt. Kritisch hinterfragt werden die Hilfsmöglichkeiten des örtlichen Wohlfahrtsverbandes.

 

DER DEZERNENT (1976/98, neu 2013)

Erik, erfolgloser Pianist und Kandidat für das Kulturdezernentenamt, sehnt sich danach, seine Brottätigkeiten an den Nagel zu hängen: Klavierunterricht und Aufsätze über Musikgeschichte, Konzertveranstaltungen, Opernpremieren. Er schafft seinem Überdruß an Mozart, Beethoven und anderen Säulenheiligen des klassischen Musikbetriebs in heftigen Ausfällen Luft. Da machen ihm seine parteiinternen Widersacher einen Strich durch die Rechnung. Zum Verhängnis wird ihm seine Vorliebe für grenzwertig jüngere Partnerinnen. Mehr als die lokalpolitische Intrigenposse nimmt ihn indessen die eigenartige Beziehung zu seiner Nachbarin Hilde mit.

 

RUDI, SUSANNE UND TANTE FRIEDAS ABLEBEN (1980/98)

ist eine Kriminalgeschichte, die mit der Schilderung der Täterin und ihrer Motive beginnt und mit der Tat endet. Zwangsvorstellungen, eine Krankheit, ein Mord – aber das ist nicht alles: Wege werden gegenübergestellt, wie Menschen versuchen, ihr Potential an Liebe umzusetzen. Was bedeutet Liebe: sich um jemanden/etwas kümmern? den maximalen Kick beim Liebe-“Machen“? Ist Liebe eine Art Brunnenwasser, das sich verströmt und nie ausgeht?

 

DIE HEIMKEHRER (1979/98 und 2008)

Zwei Aussteiger an einem abgelegenen Flecken Erde: Marc, ein in der Ablehnung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, aber nur darin entschlossener Chaot, und Jürgen, ein ihm ohne Erfüllung ergebener Mitläufer. Sie erhalten Besuch von zwei Frauen mit einem toten Kind: Petra, die von Marc schwanger war und ihn lange suchte, und Elke, eine um ihr Comeback kämpfende lesbische Ministerin.

Jahre nach ihrer rituellen Hinrichtung erscheinen die Frauen den Männern im Traum. Das Leben wird den Deserteuren zu einer nicht mehr ordbaren Folge wirrer Versatzstücke. Eine Heimkehr, wiewohl ersehnt, kann es nicht mehr geben.

 

WIRBEL UM JOHANN SCHMANT (1988/99)

handelt von einem Komponisten, seinem Interpreten, beider Entdeckerin, Papstkarikaturen und den Skurrilitäten unmöglicher Beziehungen.

 

ROMAN FORSTER LIVE – EINE TALKSHOW (1987/99, modifiziert 2013)

Eine von Geschmacklosigkeiten triefende, von Werbeunterbrechungen rhythmisierte Veranstaltung mit angeblichen Klienten des Psychologen Roman Forster. In Wahrheit sind die Teilnehmer bezahlte Schauspieler. Ob sogar der Talkshow-Geschädigte Viktor das Opfer nur mimt, bleibt ebenso offen wie der Wahrheitsgehalt einer zugeschalteten Reality-TV-Einlage.

 

LENNIEFF (1984/2000)

Soll und darf Politik etwas bewegen? Vielleicht möchten das nur die, die nichts zu verlieren haben: die Sterbenden. Herzberg ist so ein Sterbender. Und er wird noch einmal Präsident einer ungenannten westlichen Demokratie. Seine Anhänger bemerken seinen Zustand spät. Werden sie ihn gewähren lassen bei seinem ultimativen Treffen mit dem mächtigen Staatsmann Lennieff?

 

 

Buchausgabe Dramen 3:

 

DIE NACHT GEHT AUF (1984/99; revidiert 2008)

Der arbeitslose Junglehrer Hans zerbricht an der Ungerechtigkeit der Welt und entführt den Manager und Ministeranwärter Lockmann. Obwohl die RAF und ihre linke Ideologie abgedankt haben, erscheinen die Hintergründe, die zu terroristischem Widerstand führen, in einer sich immer deutlicher abzeichnenden Zweiklassengesellschaft und Mehrere-Welten-Welt brisanter denn je. Lockmann, Prototyp des wendigen Politikers, schlägt aus den Wechselbädern seiner Situation hartnäckig das (für sich) Beste heraus, während Hans bei seinem Gerechtigkeitskampf kaum mehr als ein Strohfeuer entfacht.

 

DER DURCHBRUCH (1978/99/2002; Revisionen bis 2013)

Rivalitäten, eine unfreiwillige Zwischenlandung, Gerüchte um ein Umweltverbrechen und im Mittelpunkt der Pharmamagnat René Parmon. Wird er seinen jüngeren Bruder und Entführer zur Aufgabe bewegen? Wird er das Wunder einer Heilung an seiner Freundin und Schwägerin vollbringen? Wird er sich vermittels dieser Heilung vor der Öffentlichkeit reinwaschen können?

Ein selbsternannter Gott will den vollkommenen, unsterblichen, endgültigen Menschen schaffen. Als ihm das mißlingt, ist ihm nur noch darum zu tun, die Spuren seines Handelns zu verwischen. Ob die Gerechtigkeit am Ende noch einmal siegt?

 

IM VORHOF DES LEBENS (1987/2001) schildert die konfliktträchtige, schillernde, auch lustvolle Begegnung eines frühemeritierten Psychologieprofessors mit einem Edelprostituierten. In vier Stationen wechseln Lügen und Wahrheiten, hintergründige Reflexionen und heftige erotische Aktionen bis zum bitteren Ende ab.

 

WELLEN MATHILDE UNFALL. Ein Wirrspiel (1983/2002)

Spannungen aus der Anfangszeit ihrer Ehe zwischen dem arroganten Schriftsteller Edwin Spöker und seiner einfachen Frau Mathilde brechen nach Jahren wieder auf. Verschärft wird der Konflikt durch das widersprüchliche Verhalten des Sohnes Peter, in dessen eigener Laufbahn sich die Widersprüche des Elternhauses spiegeln.

 

DER FRAGWÜRDIGE. Eine alte Farce (1985/2002 und 2008) kann als kleinbesetzte Alternativfassung zu „Die Schmeißfliegen. Eine antike Komödie“ (in Band 1) angesehen werden, entwickelt aus einem gemeinsamen Urbild. Thema und Ausgang sind geblieben, verändert sind Rahmen und Gestalt: einfache Szene gegen Simultanbühne, Dialog- gegen Handlungstheater, Literatur- gegen Konzeptkunstevent, Kammerspiel gegen personales Großaufgebot, Dreiaktigkeit gegen pausenloses Spiel.

 

INVENTION FÜR EINEN SCHAUSPIELER (2002)

Ausschnitt aus dem alltäglichen Leben eines Unmutigen. Eine Stunde Zorn, Trauer, Spott. Und in Abwesenheit stirbt derweil ein alter Mann. Die Stunde der Lebensbilanz des Sohnes gerät zur letzten Stunde im Leben des Vaters. Und wie meistens beim Tod bleibt ein unerledigter Rest.

 

NIHIL NISI BENE (2014/15)
Jüngster Text in einer Serie um einen gewissen Herrn Gott und sein himmlisches Personal. Satire auf die Eitelkeit von Kulturmachern und Kulturjournalisten, aber auch auf die Verlogenheit beim Totengedenken.

 

EISLAUF (1986/2009; Revision 2013)

handelt von den Beziehungswirren junger Leute und der Gesellschaft, die mit ihren Idealen Haltung und Glücksprognose des einzelnen vorgibt. Das an Situationen reiche Stück ist die Dramatisierung eines Romans, der so nicht existiert, es sei denn in Gestalt des wirklichen Lebens.

 

DAS STILLE ERLÖSCHEN DES MAGNETISMUS. Eine Traumödie (1976/2013)
Der Musikkritiker Erik verliebt sich regelmäßig in unpassende junge Frauen, während die treue Seele Hilde vergeblich auf ein günstiges Zeichen von ihm wartet. Nahezu alle Personen sind auf der Suche nach Lösungen in ihren diversen illusionären Partnerbeziehungen.

 

GESPRÄCH MIT EINER TOTEN (1985/98)

Monologstück. Beichte eines Sexualmörders. Geschichte einer sexuellen Obsession. Die Geschehnisse unmittelbar vor Beginn der Handlung werden erst im Verlauf des „Gespräches“ deutlich.

 

WENDEPUNKTE. Vier kleine Stücke (1975/2012)

DARF MAN BEETHOVEN VERBESSERN? – FÜR THERESE – FREMDE – ELLA

zeigt Menschen aus unterschiedlichen Epochen an Scheidewegen ihres Lebens, eingebettet in die Prüfungssituation an einer Kunsthochschule.

 

 

Buchausgabe Dramen 4:

 

DREI TRIERER HISTORIENDRAMEN: Die letzten Kaiser von Trier / Willkommen, Constantin! / Kaiserin Helena

DIE LETZTEN KAISER VON TRIER (2009)

ist das erstvollendete einer Reihe von Stücken, die die Trierer Spätantike mit zeitgenössischer Thematik verbinden und so ausgerichtet sind, daß sie im Freien an historischer Stätte, etwa im Amphitheater in Trier, ideal aufgeführt werden können. Reale Ereignisse der Epoche, oft weichenstellend für die Zukunft, erscheinen im Spiegel der Rückschau. Ein groteskes Dreigestirn antiker Gottheiten läßt sie im Zeitrafferverfahren Revue passieren und nimmt bei einer Zeugenvernehmung die Strippenzieher ins Verhör.

Für DIE LETZTEN KAISER VON TRIER stand die machtpolitisch unruhige, religionsgeschichtlich bedeutsame Periode der kleinen Herrscherdynastie Ende des vierten Jahrhunderts Pate: Gratian und sein unglücklicher, zum Herrschen viel zu junger Halbbruder Valentinian, dazwischen der Usurpator Maximus. Der Machtkampf zwischen tüchtigen, aber nicht dynastietauglichen Heermeistern fränkischer Herkunft und unerfahrenen Erbfolgern eskaliert und bricht dem gerade Zwanzigjährigen das Genick.

In die Herrschaft des Soldatenkaisers Maximus fällt die erste Verurteilung eines Häretikers. Trier genießt das zweifelhafte Verdienst, für die Ketzerverfolgungen und -hinrichtungen späterer Jahrhunderte den Präzedenzfall geliefert zu haben. Die Verurteilung Priszillians spielt im Stück eine wichtige Rolle wie auch die Intervention des bekannten Bischofs Martin von Tours und die kirchenpolitischen Schachzüge des Trier-Mailänder Bischofs Ambrosius.

 

WILLKOMMEN, CONSTANTIN! (2009)

behandelt Ereignisse zwischen dem letzten Trierer Amtsjahr des Junioraugustus Maximian 293 und seiner Ermordung nach seinem Versuch 310, den Purpur wiederzuerlangen. Er erscheint hier als ein bauernschlauer, doch kollegialer und populärer Spieler der Macht. In seinem Schwiegersohn und Nachnachfolger Constantin findet er einen windig durchtriebenen Meister.

Der Zwischenkaiser, Constantins Vater Constantius Chlorus, empfindet die Macht dagegen als Last und zerbricht an der Bürde, die ihm das Gesetz zur Verfolgung der Christen auferlegt.

Dieses Gesetz war einer der letzten Rechtsakte, die der Senioraugustus Diocletian vor seiner offiziellen Abdankung erließ mit dem Ziel, die Spaltung, die vom erstarkenden Christentum ausging, zu unterbinden. Diocletian ist die tragende Gestalt der Epoche. Leider kam er wohl nie in die Nebenmetropole Trier. Um die Visionen, Bruchstellen, Erlasse seiner Regentschaft aufscheinen zu lassen, erfindet der Text den Handelsherrn Aurelius, seinen aufmüpfigen Sohn Marcus, der das Geschäft wie ein Hasadeur betreibt und in Konflikt mit dem Gesetz gerät, und seine eigensinnige Tochter Aurelia, die, um dem Wochenbettschicksal der Mutter zu entgehen, vom ehelosen Leben einer Klosterfrau träumt – Gelegenheit, die historische Constantinmutter und spätere Kaiserin Helena einzuführen. Sie spielt im dritten Stück der Reihe eine tonangebende Rolle.

 

KAISERIN HELENA (2009) behält die Bilderbogenform der Vorgängerstücke bei, ist aber stärker von antiken Topoi, z. B. dem Rachemotiv, geprägt.

Der innerkirchliche Streit im Nachklang der Diocletianischen Christenverfolgung („Donatistenstreit“) bildet den Anfang. Offizielle Religionspolitik und innere Fehden durchdringen einander innerhalb der Konstellation Constantin-Fausta-Crispus. Fausta erstickt im überhitzten Bad.

Im zweiten Akt folgen wir Helena auf ihrer Pilgerreise nach Jerusalem. In Trier wird der vom altgläubigen Handelsherrn Marcus gefälschte und als Beutestück von Banden nach Germanenland lancierte „Heilige Rock“ verehrt. Jupiter beendet das Spektakel mit einem seiner Blitze und Helena, zu schlechter Letzt von der Demenz erfaßt und von Experten ihres Sohnes manipuliert, verteidigt die Echtheit der gefundenen Nägel der Kreuzesreliquie, die sie beim Auffinden noch als Fälschung identifizierte.

 

UND GOTT SAGTE. Eine Komödie (2011)

Der Journalist Sven interviewt Herrn Gott. Er will wissen, ob und wie Herr Gott die Welt erschaffen hat.

Herr Gott ist ein sportlicher Mann Mitte 50. Er gibt sich gleich die Blöße, den Namen des jungen Journalisten, der ihn ausfragt, nicht zu wissen. Freilich verzichtet er bewusst auf den Vorzug der Allwissenheit. Nur so kommt er in den Genuß, täglich aufs neue von seinen Kreaturen überrascht zu werden, oder?

 

FREßZELLEN (2010/15)
Fünf Personen beiderlei Geschlechts treffen bei einem Workshop aufeinander, um einen offensiveren Umgang mit ihren Gefühlen zu erlernen. Doch wer eine Demonstration davon gibt, ist der Workshopleiter selbst. Franz Nöler beschimpft die Gruppe drastisch als eine von Kind an verwöhnte Bande.

Bei den folgenden, teils von Teilnehmern, teils von Nöler entworfenen Rollenspielen treten Gegensätze und Eifersüchteleien untereinander zutage. Ein von der Kurverwaltung geschickter Journalist versetzt Nöler, zum Vergnügen seiner Teilnehmerinnen, erneut in Rage. Er rächt sich, indem er einen Dokumentarfilm über einen modernen Großschlachthof auflegt. Die Gruppe interveniert. Sie ist nur zusammengekommen, um ein interessantes Wochenende zu erleben.

 

SEELENDIALYSE (2012/15)
Zeitkritische Komödie um den zweifelhaften Herrn Gott. In einer Art Reinigungsnacht werden auf einer schneeumstöberten Alpenhütte ein arroganter Medizinprofessor und ein an seinem Mittelmaß scheiternder Politiker ins Kreuzverhör genommen. Herr Gott, eine steinalte, aber höchstens wie 60 wirkende Naturärztin und beider Assistent werfen dem Professor vor, die Pfade der Natur zu verlassen und kriminelle Methoden anzuwenden, um Heilungen zu verhindern. Obwohl bedroht, findet dieser immer wieder Finten, die vor vielen Jahren am Assistenten durch die Naturärztin bewirkte Genesung von einer todbringenden Krankheit in Abrede zu stellen. Sein eigenes Vorgehen gibt er in einer entwaffnenden Wendung als Nachahmung des Schöpferbeispiels von Herrn Gott aus.

Der Politiker, der über eine banale Finanzaffäre stolperte und morgen abdanken soll, glaubt, vor dem Jüngsten Gericht zu stehen, und kündigt reumütig die Gründung einer „Stiftung zur Erforschung und besseren Gestaltung der Zukunft“ an.

 

DER KREISLEITER. Eine postmortale Aufarbeitung (2013/14)
Wieder einmal möchte sich Herr Gott die Zeit vertreiben. Er arrangiert ein Tribunal. Betroffene eines Prozesses von 1947 treten darin auf. Der begabte, aber konfliktscheue Journalist Sven führt Protokoll und soll in seinem Online-Portal über den Fall berichten.

Es beginnt ein aus Gerichtsakten und Aussagen von Angehörigen gespeistes Tauziehen um das wahre Bild des mittleren Nazifunktionärs Anders. Der Volksschullehrer war kein Böser, aber er war auch kein Mutiger. Und schwer litt er unter der Bevormundung durch seine geistlichen Schulräte. Die Befreiung von der katholischen Zensur erlebte er als erlösend.

 

JESUS CHRISTUS TRIFFT RUDOLF STEINER UND SIGMUND FREUD (2014)
Herr Gott, die alte Naturärztin Hulda, ein himmlisches Bikinimädchen und Huldas intersexueller Expatient Camille bringen auf ihrer Alpenhütte die Begründer dreier bekannter Weltanschauungen dazu, miteinander in Wettbewerb zu treten. Widerwillig unterzieht sich Jesus – am Ende Huldas und Herrn Gottes Sohn? – einer familientherapeutischen Analyse durch Sigmund Freud. Als dieser auch Rudolf Steiner befragen soll, verweigert dieser dem Gottesleugner und Profanierer die Mitarbeit. Freud wirft ihm vor, nur von seiner Asexualität ablenken zu wollen, und gesteht offen seine geradezu körperliche Abneigung gegen den weibischen Konkurrenten. Wie, Vorurteile, Dr. Freud? Steiner verweist auf die Tapferkeit, mit der er seinen Magenkrebs bis zum bitteren Ende ertrug und keine andere Hilfe bemühte als die seiner von ihm selber ausgebildeten Ärzte.

Aus der Abstimmung nach Punkten geht Sigmund Freud als der geschickteste Argumenteverdreher siegreich hervor und wird mit einer Schachtel Zigarren belohnt.

Nach Versetzen der Streithähne in Hypnoseschlaf bekennt Herr Gott seinen Unmut darüber, daß nicht einmal die schrillen Verrücktheiten der Weltanschauungen seiner Menschen ihn noch erfreuen. Aber nichts erzeugt so den göttlichen Zorn wie die abschließende Vorstellung Camilles als Buddha. Buddhas Spitzfindigkeiten seien der Inbegriff der Perversion menschlicher Rechtschaffenheit.

 

HAYDNS ERBE (2014)
Erik – Insasse, Mann einer Insassin oder nur Besucher eines Seniorenheims, ehemaliger Musikkritiker – bereitet sich auf seinen Auftritt vor, bei dem er den Senioren einen Begriff von der Musik vermitteln möchte, wie er ihn in seiner eigenen Vergangenheit als Schüler immer gewünscht hat. Er schlüpft in die Rolle des Komponisten Joseph Haydn und betrachtet aus dessen Perspektive die Welt der Töne.

Teils im Rollenspiel als Haydn, teils in eigener Person verbindet Erik Erkenntnisse über den Mechanismus der Klänge mit Einblicken in das eigene Leben, das Altenheim und sein Glück in der spät gefundenen Liebe zu seiner Frau Hilde.

 

SPIELE AUF DER ENDSTATION (2002)

Acht Schwerkranke führen im Theatersaal einer Klinik selbstverfaßte Szenen auf. Sie kreisen um berühmte Persönlichkeiten, um den Tod und um sich selbst, um Geschichte und eigene Geschichten, um Bestehen und Vergehen, Spiel und Ernst.

 

 

 

SONDERPROJEKTE (noch unveröffentlicht):

 

A. ERSTELLUNG VON GEKÜRZTEN FASSUNGEN DER STREICHQUARTETTE VON LUDWIG VAN BEETHOVEN (2012/14) – VORLAGEN ZU HANDLUNGSBALLETTEN NACH DIESEN STRICHFASSUNGEN (2014)

 

B. Bearbeitung des Librettos von Schumanns Oper GENOVEVA (2014)

 

C. Musiktheaterprojekt für Schüler frei nach der Bitburger „Gäßestrepper“-Sage (Dichtung und Komposition, Auftragswerk 2014)

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