Einspruch, Herr Schneider (06.12.2017 08:46:45)

Über persönliche, anlaßbezogene Mails an Politiker versuche ich, auf Themen und Widersprüche aufmerksam zu machen, die gerne übersehen werden. Nur so besteht - vielleicht - eine kleine Chance, Nachdenken und Änderungen im festgefahrenen Handeln der Berliner Akteure anzustoßen. Dieser erste Blog-Beitrag vom 4. Dezember2017 bezieht sich auf die Sendung Anne Will vom Vortag und einen Wortwechsel zwischen dem SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider und dem Zeit-Redakteur Bernd Ulrich.


 

Anne Will – Einspruch, Herr Schneider, Essen nicht immer bloße Privatsache, zumal, wo das Herz "links" schlägt

 

Sehr geehrter Herr Schneider,

 

einer der wenigen substanziellen Diskussionsbeiträge bei Anne Will gestern kam von Bernd Ulrich/Die Zeit, als er auf den vor laufender Kamera demonstrativ fleischvertilgenden Bundeslandwirtschaftsminister als Vertreter einer schädlichen Landbewirtschaftungsdoktrin verwies. Soweit die Runde ihn ließ, benannte er noch einige von deren Folgen (Insektensterben / Artensterben / Tod der Böden) und belegte sie mit dem Prädikat eines Irrwegs. Aufschlußreich Ihre abschneidende Reaktion: Herr Ulrich werde Ihnen doch wohl keine Vorschriften machen wollen, Essen sei Privatsache, in Ihrem Herkunftsland Thüringen esse man gerne Wurst!

Ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich bei sozialdemokratischen Freunden sehe, wie sie in Bergen tierischer Produkte schwelgen. Stellen Sie sich einmal vor, Frau Will hätte eine Ehefrau und Mutter aus einem Dorf in Mozambique eingeladen. Bis vor kurzem ernährte das Land dort das Dorf. Dann kam ein europäischer Konzern und hat die Felder plattgemacht – mit dem Hinweis darauf, daß das Land frei verfügbar sei, da nirgendwo ein Grundbucheintrag existiere (Grundbücher gehören nicht ins afrikanische Rechtsverständnis, sind europäischer “Import”). Der Konzern baut jetzt auf dem Land (genmanipulierte) Soja an. Die Soja dient der beschleunigten Aufzucht europäischer Nutz- und Schlachttiere, damit die Europäer ihren hohen Konsum an billig verfügbaren tierischen Produkten decken können. Laut einer Arte-Dokumentation (aus der das Beispiel aus Mozambique stammt) gehen 70% der Getreideproduktion in Kraftfutter für Tiere. Ein Großteil der dafür genutzten Fläche besteht, so wörtlich, aus “Landraub” an Menschen, die keine Lobby haben.

Wenn ich solche tierproduktelastigen Runden verlasse, befällt mich ein trauriger Groll und ich denke: eigentlich müßtet ihr euer Parteibuch abgeben. Ihr habt den Anspruch, euch als sozial, humanistisch oder gerechtigkeitsliebend zu gerieren, verspielt.

Ganz im Ernst, Herr Schneider, die von Ministerin Wichtig und ihrer Parteischwester in der Sendung gelisteten und von Ihnen unwidersprochen hingenommenen Themen sind die Themen von gestern. Wenn den Politikern in Berlin, Brüssel und anderswo nicht endlich klar wird, daß unser aller Überleben mehr von kleinen Bestäubern abhängt als von EU-Mitgliedschaften bestimmter Länder, noch mehr Mobilitätswahnsinn oder davon, daß der letzte Einsiedler in der Eifel Facebook empfängt, dann weiß ich nicht, wo Sie Ihr Einmaleins gelernt haben und ob Ihnen überhaupt daran gelegen ist, daß in 150 Jahren noch Menschen leben.

Ich bin kein Politiker, aber ich mache mir seit der Vorschulzeit Gedanken über Ressourcen, Ressourcenknappheit und Ressourcengerechtigkeit. Heute bezeichne ich unser durchschnittliches westliches Konsumverhalten ohne Bedenken als praktizierten Rassismus, auch wenn dieser “nur” gedankenlos passiert.

Im Postskriptum finden Sie inhaltliche Eckpfeiler einer Fünferreihe utopischer Theaterstücke mit dieser Thematik gelistet, die ich per PDF-Datei auf Anforderung gerne an Politiker maile. (Im Rahmen des Karl-Marx-Jahres 2018 soll ein sozialkritisches Zweipersonenstück von mir dann auch aufgeführt werden.)

Mit nachdenklichen Grüßen

 

Klauspeter Bungert

Römerstr. 24

D - 54 294 Trier

+49-651-76993
http://www.klauspeterbungert.de/neu-buchveroeffentlichungen.html

 

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PS:Kurzbeschreibung der

Pentalogie Unternehmen Faust von Klauspeter Bungert

 

(01) Vorspiel unter der Erde – Der Automat verweist auf die Durchkommerzialisierung sämtlicher Lebensbereiche und sieht einen Hoffnungsschimmer auf eine Wende bei einer angekündigten internationalen Konferenz.

 

(02) Die Konferenz greift die aktuell drängende Forderung nach einem Ende menschenverachtender Handelskriege auf und sieht eine Lösung über wieder verkleinerte Regionen mit gegenseitigen Verhaltensgarantien und Kontrolle durch eine von allen getragene internationale Schutz- und Wächtertruppe. In ihren Forderungen nach einer umfassenden Renaturierung und Raparatur des Planeten stellt die Konferenz kühne, aber naheliegende Forderungen.

 

(03) Die Reform – Geld für alle konstruiert die Einführung eines Handgelds für alle Bürger in einem Staat à la BRD.

 

(04) Ingenieure des Friedens stellt ein modernes Wüstenbegrünungsprojekt in Afrika vor. Afrikanische Renaturierungsingenieure werden die Entwicklungshelfer der Zukunft. So für China, wo sich eben die Folgen jahrzehntelanger blinder Industrialisierung und Landversiegelung zu einer großen Naturkatastrophe verdichten. (Wie gesagt, das Szenario deckt die Situation von 2017 nicht eins zu eins ab.)

 

(05) Wenn die Bienen sterben (mit einem verkappten abgewandelten Trump-Porträt) stellt die USA, die dem Weltsanierungsabkommen fernblieben und weiter Raubbau an ihrem Land betreiben, an die Schwelle einer China ähnlichen Versorgungskatastrophe. Aufgrund ihres Rüstungsvorsprungs erscheinen sie aber anders als das (bei mir) in den neuen Staatenbund integrierte China als Kriegsgefahr für die Welt, ehe die Präsidentengattin den Präsidenten bewegt, für einen späten Beitritt zum Abkommen zu plädieren.

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